Vietnam erleben I

Vietnam – Kambodscha; Januar 2016

Nach sechzehn einhalb Stunden Flug setze ich meine Füße auf Nordvietnamesischen Boden in Hanoi. Erst einmal fühle ich mich wie durch eine Mangel gedreht. An Schlaf war während des Fluges nicht zu denken, jedenfalls nicht für mich.

Der Reiseleiter (für Nordvietnam), Herr Vinh, empfängt unsere Gruppe direkt am Flughafen. In raschem Tempo geht es zum Bus und dabei erklärt uns Herr Vinh den weiteren Tagesablauf. Die Besichtigungstour beginnt sofort, nicht erst ins Hotel evtl. Beine hoch legen, das wird erst am Abend passieren.

„Laufen nach dem Flug ist besser“, meint Herr Vinh. Müde und schlaff stimme ich ihm zu. Während der kurzen Busfahrt zum Präsidentenpalast kann man gut einen ersten Eindruck von der Altstadt bekommen. Die Straßen sind vollgestopft von Mopedfahrern und Autos. Ohrenbetäubend ist der Lärm, jeder versucht hupend sich durch die kleinsten Lücken zu wurschteln. Die Mopedfahrer und ihre Beifahrer sind vermummt mit einem Mund/Nasen- oder Gesichtsschutz. Der Himmel ist grau, obwohl es warm ist sieht man von der Sonne keine Spur. Für Europäer erscheint das Strassenbild wie ein einziges wildes Chaos, aber irgendwie regelt sich alles, auch wenn es nicht durchschaubar ist. Nach der Besichtigung des Präsidentenpalastes und der Säulenpagode schleppe ich mich nur noch so dahin.

Als Highlight ist das „Ho Chi Minh Mausoleum“ vorgesehen. Trauben von Schulklassen und Chinesischen  Reisegruppen warten schon auf Einlass auf dem großen Platz. Alle möchten von ihrer Gruppe vor dem Eingang Fotos machen. Aber das  geht nicht mehr, die Fotoapparate wurden eingesammelt. Die Gruppen sind streng gehalten in 2er Reihe zu gehen – das ist kein Witz -. Die Erinnerung geht zurück an meine Kindergarten- und Grundschulzeit. Unsere Gruppe ist eine kleine 10er Gruppe, wir sind ordentlich in 2er Reihe aufgestellt, die Kleidungskontrolle ist überstanden, alle züchtig gekleidet mit Adidas, Puma und Nike Schuhen, Jacken von Jack Wolfskin, Wellenstein und Co., so dürfen wir eintreten in das finstere Mausoleum unter scharfer Beobachtung von jungen bewaffneten vietnamesischen Soldaten mit aufgepflanzten Bajonett. In einer unwirklichen Atmosphäre mit Kerzenlicht geht es durch die Gänge bis ins„Allerheiligste“. Stark bewacht von  seinen treuen Soldaten liegt er da, blass und eingewachst, „der alte Onkel Ho.“ Schnell winkt man uns durch die Gewölbe, damit es voran geht. Es herrscht absolute Stille, ein Geruch von Blüten und Wachs schwebt im Raum. Ich bin froh wieder an die Luft zu kommen, bevor ich umkippe. Die dünne „Vegetable Nudelsuppe“ , die ich zuvor gegessen habe, hat nicht lange vorgehalten. Der Besuch des Mausoleums scheint ein Pflichtprogramm zu sein für alle Schulklassen, Betriebsausflügler und Touristen. Tief beeindruckt sammeln wir uns vor der Tür und gehen durch die Altstadt in unser Hotel. Jetzt haben wir unsere wohlverdiente Dreiviertel Stunde Pause , Zeit zum Relaxen.

Danach sieht das Programm die traditionelle Fußmassage für die Gruppe vor. Wie Perlen aufgereiht sitzen wir je zu fünf Personen nebeneinander, mit den Füssen  in Wasserbottichen. Auf dem Wasser schwimmen duftende Rosenblätter. Die Tür des Massagesalon steht offen. Draußen tobt der Straßenverkehr. Im Vorbeigehen kichern die kleinen Vietnamesinnen als sie uns da sitzen sehen, mit unseren aufgekrempelten Hosenbeinen. Flink und kräftig werden zehn Paar Füße und Beine massiert. Es erfrischt ungemein und ist eine Wohltat. Schwebenden Schrittes verlasse ich die Institution. Das Massage Personal bedankt sich freundlich und überschwänglich für das erhaltene Trinkgeld.

Nun geht es weiter zu Fuß ins Wasserpuppentheater, eine Empfehlung unseres Reiseleiters. Ein weiteres Highlight von Hanoi was man unbedingt gesehen haben muss, wenn man schon einmal hier ist. Also hat er uns in Windeseile Karten besorgt, während wir eine Kleinigkeit zum Abendessen einnehmen. Reis, Wasserpflanzengemüse mit Rind, Schwein oder Chicken, das sollte in der nächsten Zeit täglich auf der Speisekarte sein, in der einen oder anderen Form. Das Ganze gibt es dann auch mit Fisch oder Shrimps. Es ist sehr lecker, aber auf die Dauer fehlen mir jetzt schon die die Kartoffeln.

In den Straßen von Hanoi hat das Leben und der Verkehr noch einmal zugelegt. Die Straßenmärkte zeigen sich in voller Pracht, mit ihrer grell bunten Beleuchtung, das Familienleben spielt sich hier ab. Unsere Gruppe  schiebt sich durch die Menschenmassen, immer auf der Hut, den Rucksack eng am Körper zu halten und den Anschluß nicht zu verlieren. Wenn wir eine Strasse überqueren, geht das nur im Block alle zusammen, für einzelne Fußgänger hält niemand an. Ich verspüre Adrenalin pur in mir.

Etwas erhitzt erreichen wir das Theater und setzen uns auf unseren reservierten Plätzen in der ersten Reihe. Das Wasserpuppentheater findet man nur in Vietnam. Seine Ursprünge liegen im Dunkeln, schon im 11. Jahrhundert berichten Reisende von den Vorstellungen. Die heute seltenen Aufführungen finden nur noch in Saigon oder Hanoi statt. Die Marionetten Puppen in Aktion zu sehen, sollte man nicht verpassen.Die Bühne besteht aus einer aufwändig gestalteten Kulisse mit einem Wasserbecken.Die Puppen werden aus weichen und leichten Holz des Feigenbaums geschnitzt und anschließend mit bunten Lacken und Harzen wasserfest überzogen. Die beweglichen Gliedmaßen lassen sich durch Seilzüge steuern. „Schwimmend“ erzählen sie ihre Geschichten. Dafür bewegen die Puppenspieler mit 3 bis 4 Meter langen Stangen die kunstvollen Figuren. Die Stangen bleiben während der Aufführung unter Wasser und sind so für die Zuschauer kaum zu sehen. Bis zu 8 Puppenspieler agieren hinter einen dünnen Vorhang aus geflochtenem Bambus, sie stehen bis zum Oberkörper im Wasser. Ein kleines Orchester begleitet das Stück musikalisch und verleiht den Puppen ihre Stimmen. Gespielt werden uralte Stücke aus dem bäuerlichen Leben, im Reisfeld oder von den schwimmenden Märkten.

Eine ungewöhnliche Art der Darstellung, aber ein sehr schönes Bild. Es ist schade so wenig von der Aufführung mitzubekommen, da wir der vietnamesischen Sprache nicht mächtig sind und die Musik für unsere Ohren fremd klingt. Nacheinander fielen uns im Laufe des Abends die Köpfe runter. Peinlich berührt schaue ich mich verstohlen um, da wir in der 1. Reihe sitzen. An einem anderen Tag , ausgeschlafen, wäre der Theaterbesuch sicher besser gewesen.

Aber morgen beginnt das nächste Programm auf unserer erlebnisreichen Reise, jetzt schnell zum Hotel zurück und eine Mütze Schlaf mitnehmen.

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