Vietnam II, Sturz am Tempelberg

Auszug aus meinem Reisetagebuch, Tag 4 und 5

Noch sind wir in Nordvietnam, Standort Hanoi. Wir starten am frühen Morgen per Bus zu einem Ausflug nach Ninh Binh und Umgebung. Im Westen von Ninh Binh erstreckt sich eine der schönsten Karstlandschaften des Roten-Fluss-Deltas. Wegen der bizarren Hügelformationen wird sie die Trockene Ha-Long-Bucht genannt. Hier stiegen wir aus dem Bus in kleine Ruderboote um, je 2 Personen und 1 Ruderer. Überwiegend Frauen  ruderten die Boote mit den Füssen, sehr außergewöhnlich. Die Fahrt ging durch Reisfelder und Höhlen. Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit. Fast alle saßen mit offenem Regenschirm und übergezogenen Kapuzen in den Booten, es sah lustig aus. Bei den Sehenswürdigkeiten z.B. in den Höhlen, lauerten wieder Dutzende von Souvenir- und Kram Verkäuferinnen. Sie waren äußerst hartnäckig und aufdringlich, man konnte sie kaum abwimmeln.

Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Hoa Lu eine alte Königstadt, dort besichtigten wir verschiedene Tempel.  Steil, stiegen wir auf alten ausgetretenen Treppenstufen den Berg hinauf. Durch den Nieselregen wurden die Wege immer schlammiger. Höllisch musste man aufpassen, besonders beim Abstieg über die glitschigen, ungleichmäßigen Stufen, nicht auszurutschen . Ich war schon fast wieder unten, da spürte ich hinter mir einen dumpfen Schlag am Fußboden. Schnell lief ich zurück um die Ecke der letzten Treppenstufen und meine Befürchtungen wurden wahr. Meine bessere Hälfte hatte sich hingelegt. Fix war er wieder auf den Beinen, anscheinend hatte er Glück gehabt. Aber er krümmte sich und drückte die Hände gegen seine Rippen. Beim Sturz wollte er sich abstützen und griff in einem ausgehöhlten Baumstamm. Dabei ist er mit dem Oberkörper auf den Rand geschlagen. Nun hatte er sich ganz fies die Rippen geprellt oder angebrochen. Glücklicherweise waren in unserer Reisegruppe drei Ärzte. Zwei von ihnen Allgemeinmediziner. Sofort haben sie sich die Bescherung angeguckt, konnten aber nur Schmerzmittel verordnen, weil bei dieser Art von Verletzung nichts anderes hilft. Leider ist es schmerzhaft und langwierig. Vor einigen Jahren habe ich diese Erfahrung selbst schon gemacht und wußte was das heißt. Es dauerte ca. 3 Monate bis ich wieder vollkommen schmerzfrei war. Am Abend, im Hotel überlegten wir lange ob wir die Reise fortsetzen sollten, oder uns in den nächsten Flieger nach Hause setzen sollten. Das Argument zu bleiben bzw. die Rundreise weiter mit zumachen war dann: „Wenn ich zu Hause bin kann ich auch nichts anderes tun, ich sitze dann nur dumm rum, habe schlechte Laune und die Rippe heilt auch nicht schneller“!

Nachdem er dann die Nacht in einer einigermaßen erträglichen Liege- und Wendeposition überstanden hatte , starteten wir am nächsten Morgen zu unserer 2-tägigen Kreuzfahrt auf einer traditionellen Dschunke durch die Halong-Bucht. Statt einen Koffer packe ich jetzt zwei, die Mitreisenden waren beim Transport behilflich und so versuchten wir es ihm so angenehm wie möglich zu machen. An den schaukelnden und engen Bussen konnten wir nichts ändern. Schmerztabletten waren noch genug vorrätig. Es war auch kein Problem in den vietnamesischen Apotheken, ohne Rezept, neue zu besorgen. Aber zunächst bestiegen wir in der Halong-Bucht die Dschunke. Ruck-Zuck hatte das Schiffspersonal die großen Touri-Koffer auf dem Boot verteilt. Wir wunderten uns immer wieder aufs Neue welch riesige Lasten die kleinen behänden vietnamesischen Männer mit Muskelkraft beförderten und das in einem rasenden Tempo. Freundlich lächelnd hievten sie dann noch die, zum Teil Schwergewichtigen und ungelenken Passagiere an Bord. Die Kabinen der Dschunke boten räumlich mehr Platz wie gedacht. Die Betten waren groß genug und Platz für die Koffer gab es auch. Ein kleines Bad mit Toilette war ebenfalls vorhanden. Oben an Deck waren die Tische schon für das Mittagessen gedeckt und aus der kleinen Schiffsküche duftete es verführerisch. Unsere Gruppe war allein an Bord und wir konnten die Fahrt richtig genießen. Langsam ließen wir die Landschaft an uns vorüberziehen. Die rund 2ooo Inseln der Halong-Bucht beflügeln die Fantasie eines jeden Betrachters. Wenn man richtig hinschaut kann man Drachen erkennen, schlafende Riesen oder eine Karawane von Kamelen. Seit 1994 ist die Bucht UNESCO Weltnatur Erbe und eine der beliebtesten Ausflugsziele Vietnams. Unzählige Boote, zum Teil sehr alte, fuhren durch die Bucht. Nirgends war man mit dem Boot mehr allein. In der Nähe der „Hang Sung Sot Höhle“ servierte uns die Schiffsmannschaft das Mittagessen. Es roch nicht nur köstlich, sondern es schmeckte auch vorzüglich. Frischen Fisch, Meeresfrüchte mit Reis und Gemüse wurden gebracht. Danach konnte wer wollte Kanufahren und die kleinen Höhlen und schwimmenden Fischerdörfer paddelnder Weise erkunden. Wir blieben auf der Dschunke und genossen den Ausblick, denn mit der angeschlagenen Rippe war Paddeln nicht so prickelnd. Bei mir kündigte sich eine Erkältung an, da wären nasse Füsse im kalten Wasser auch nicht so gut. Später, zur Besichtigung der großen Höhle, waren wir wieder dabei. Elektrisches, buntes Licht beleuchtete effektvoll die drei großen beeindruckenden Säle. Der Rundgang eröffnete mystische Ausblicke auf die Tropfsteine im schimmernden Dunst. Schon etwas kitschig, ohne die bunten Farben wäre es natürlicher gewesen, aber beeindruckend.

Als wir wieder aufs Boot zurückkamen , wurde das Abendessen vorbereitet, es duftete wieder köstlich. Das Mittagessen wurde noch übertrumpft, es war super, super lecker. Zwischenzeitlich fuhren wir auch weiter zu unserem Liegeplatz für die Nacht. Während wir an Deck saßen, das Licht sich langsam von Rosatönen bis in die Dunkelheit färbte und wir den Tag ausklingen ließen, kamen etliche Boote dazu, die hier die Nacht verbrachten. Wir hatten Glück, bei der Wahl unseres Ankerplatzes in einer „einsamen“ Bucht, zumindest waren keine schrägen Karaoke Gesänge zu hören.

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