Hochzeit mit Hindernissen

„Klack“, die Haustür fiel ins Schloss. Marc greift in seine Hosentasche, er hat den Wohnungsschlüssel vergessen. Panisch sieht er an sich hinunter. Er steht in Jogginghose und Badelatschen auf der Strasse. Dabei hat er nur den Sekt in den Kofferraum des Autos gepackt. In zwei Stunden findet seine Hochzeit statt. Seine zukünftige Frau Manuela und seine Mutter schauen vom Balkon der 3. Etage hinab. Auch sie sind noch in Nachtkleidung. Siedendheiß fällt ihm ein die Balkontüre irrtümlich abgesperrt zu haben. Er kann nicht mehr ins Haus und seine Mutter und Manuela auch nicht. Blitzschnell läuft ihm der geplante Tagesablauf durch den Kopf. Der Schreck hat ihn gelähmt, er fühlt sich kopflos. „Was soll ich tun, was soll ich tun ? Standesamt anrufen, Pfarrer anrufen, Hochzeit verschieben, Gäste anrufen, Feier absagen ? Mein Handy. wo ist mein Handy ? Natürlich, es liegt auch in der Wohnung. Ich dreh durch!“ Da tönt auch schon der Ruf von Manuela vom Balkon:“Sag mal Schatz, wann machst du denn die Balkontür wieder auf, es ist hier langsam saukalt und wir müssen jetzt ins Bad uns fertigmachen ?“

„Verdammt noch mal ja, ich würde die Balkontür öffnen, aber der Wohnungsschlüssel liegt oben und die Haustür ist zugefallen, ich habe nur den Autoschlüssel mitgenommen.“

„Wenn du jetzt nicht zack, zack den Schlüsseldienst anrufst, schrei ich hier alles zusammen.“

„Mein Handy liegt auch in der Wohnung.“

„Du bist vielleicht ein Komiker, dann mach das du zu Schmitz oder Meier kommst um von dort den Schlüsseldienst anzurufen, oder sollen wir hier anwachsen ? Du kannst auch den Fred von Wagner holen, der kann die Tür aufbrechen.“ Noch bevor Marc losgeht schaltet sich die Mutter ein:“ Na hör mal Manuela in welchem Ton sprichst du denn mit meinem Sohn?“

„Anders bekommt er das ja nicht gebacken Hilfe zu holen. Wenn du ihn nicht solange gepäppelt hättest, wäre er auch selbständiger, er ist fast 30.“

„Das ist jetzt nicht fair von dir, mir so etwas vorzuwerfen.“

„Können die ihr Gezänk nicht ein anderes Mal austragen“ denkt Marc, schwingt sich in sein Auto und fährt los. Für die nächste viertel Stunde war zwischen den beiden Damen jetzt Sendepause. Frierend und rauchend verbrachten sie die Wartezeit auf dem Balkon.

Dann krachte es einige Male unten an der Haustür. Marc hatte tatsächlich „Wagners Fred“ geholt, der die Tür dann aufbrach. „Die Kosten für die Reparatur zahlt Marc“, verkündete Manuela und verschwand mit ihrer inzwischen eingetroffenen Freundin ins Schlafzimmer zum Frisieren. Nacheinander gehen sie schnell ins Bad. Als Marc aus der Dusche kommt, steigt er lustlos in seinen neuen dunkelgrauen Anzug. Wenn der Tag so weiter geht wie bisher, wird das nicht der glücklichste Tag in seinem Leben sein. Ihm ging es gar nicht gut. Noch steht ihm das Entsetzen im Gesicht geschrieben. Er hatte bis jetzt kein Wort mit Manuela oder seiner Mutter gesprochen.

Dann öffnet sich die Schlafzimmertür. Manuela schreitet in ihrem weißen Kleid heraus, begleitet von Marc´s Mutter und ihrer Freundin. Marc hält den Atem an, er ist hin und weg. Sie sieht einfach himmlisch aus – zum anbeißen -. Als er ihr den Brautstrauß reicht, blitzen ihre Augen, in ihrem Haar tanzen Sonnenflecken. Zartrosa Rosen mit weißen Freesien, ihre Lieblingsblumen.

Vor der Haustür wartet bereits die hellblaue Stretchlimosine mit dem Fahrer. Marc streckt  seinen Rücken, atmet tief durch und hebt das Kinn. Nun beginnt der Tag noch einmal. Viele Nachbarn mit Kindern stehen vor der Tür und bewundern staunend den Einstieg ins Auto. Aller Frust ist verflogen, stolz und glücklich, alles geschafft zu haben, blicken die Brautleute sich an.

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