Der Landgang

Ich saß auf der Kaimauer und ließ meine Beine baumeln. Es war im Hafen von Roseau auf der kleinen Karibikinsel Dominica. Unsere Fähre zur Überfahrt nach Martinique sollte erst in zwei Stunden gehen. Warum es zu dieser Verspätung kam konnte uns niemand sagen. Eine Stadt- und Marktbesichtigung von Roseau hatten wir schon bei unserer Ankunft auf Dominica gemacht. Die zwölfköpfige Reisegruppe verteilte sich im Hafen und sah dem Treiben dort zu. Es bahnte sich ein Schauspiel an. Zentimeter für Zentimeter schob sich ein riesiges Kreuzfahrtschiff mit dem Namen „MSC Poesia“ an den winzigen Anlegesteg. Geduldig beobachteten wir die Prozedur. Nach einer knappen halben Stunde war es dann geschafft. Endlich wurde die Gangway ausgefahren. Das komplette Hafengebiet war mit Zäunen abgesperrt. Die Polizei achtete darauf, dass keine Einheimischen sich innerhalb des Hafengeländes aufhielten.  Zuerst strömten die Angestellten, die für den organisierten Landgang zuständig waren, aus dem Schiffsbauch. Beschriftete Tafeln mit den einzelnen Aktionen wurden aufgestellt. Kurze Zeit später trafen die Kleinbusse für die Inselbesichtigungen mit den unterschiedlichsten Zielen ein. Dominica hat einiges zu bieten: erloschene Vulkane, riesige Regenwälder mit Schwefelquellen, Wasserfälle und dunkelblaue Seen. Und als Markenzeichen der atemberaubend grünen Karibikinsel gelten die Drehorte und Schauplätze der bekannten Filmserie „Fluch der Karibik“. Ansonsten ist Dominica ein richtiges Naturparadies. Diese Schönheit kann man auch vom Bus aus sehen, oder durch kurze Spaziergänge erleben, also ideal für die Kreuzfahrer. Sie ist eine der ursprünglichsten Inseln der kleinen Antillen. Leider bleibt den Ausflüglern nicht viel Zeit, weil am späten Nachmittag die MSC Poesia schon wieder ablegt.  So langsam füllt sich der letzte kleine Bus und fährt los.

„Oh, was ist das denn, da kommt ein Riesentrupp von Radfahrern die Gangway hinunter, vorneweg der Guide. Alle in Rad-Sportkleidung und auf Mountainbikes. Wo wollen die denn hier fahren in dieser Wildnis ? Steile, steinige Berge und Regenwald, keine Wanderwege oder Rad taugliche Strecken. Na, ja der Guide und die Kreuzfahrt Gesellschaft werden schon wissen, was sie ihren Kunden anbieten.“

Kurze Zeit später, ganz zufällig, öffnet sich der Absperrzaun zum Ort Roseau. Eine Gruppe einheimischer Kindergartenkinder mit ihren Erzieherinnen geht direkt zum Ausgang des Schiffes zu. Die Kinder stellen sich auf, wie eingeübt. Welch ein Anblick. Alle  sind fein „rausgeputzt“ in weißen Kleidchen, weißen Anzügen, Schleifen in den Haaren und Zöpfchen und das alles zu schokoladenbrauner Haut, ein toller Hingucker und ein fantastisches Fotomotiv. Die Kameras werden gezückt, die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt. Das war dann die Begegnung zwischen den Einheimischen und den Kreuzfahrern.

Bald schon verlassen nur noch wenige Menschen das Schiff. Meist sind es kleine Grüppchen, die sich auf eigene Faust den Ort und das Markttreiben ansehen wollen. Am Nachmittag ist der Spuk vorüber und der Riesen Koloss legt wieder ab. Die Taxifahrer und die Restaurantbesitzer, hinter der Abzäunung, blicken etwas enttäuscht. Sie haben nur wenige Fahraufträge und Gäste anwerben können. So langsam kann ich verstehen warum der Reiseleiter immer sagt: „Die Einheimischen sind nicht gut auf die Kreuzfahrtschiffe zu sprechen. Sie bringen alles selber mit und lassen nur ihren Abfall da.“

Vielleicht werde ich einmal selber mit einem Kreuzfahrtschiff fahren und kann mir den Betrieb auf dem Schiff ansehen.

Die Wartezeit auf unsere Fähre haben wir sehr unterhaltsam verbracht.

Leider wurde mir beim Einchecken mein kleines Schweizer Messer abgenommen. Es hatte sich in einer Bodenfalte vom Rucksack versteckt. Ich dachte, ich hätte es in den Koffer gepackt. Schade, es war ein Erinnerungsstück an meinen verstorbenen Vater, das machte mich etwas traurig.

2 Gedanken zu “Der Landgang

    1. Hallo, danke für Deine nette Antwort ,
      Ja, das Taschenmesser habe ich nicht zurück bekommen. Obwohl am Flughafen
      wurde nicht so streng kontrolliert, dort wurde lediglich gemessen wie lang die
      Klinge war, das reichte dort nicht und ich durfte es im Rucksack mitnehmen ?
      Ist schon alles manchmal sonderbar, aber wie gesagt um das Messer ist es nicht
      so schade, es ging mir mehr um den Erinnerungswert.
      Herzliche Grüsse
      schreibteufelblog, Petra Venners

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